Harald Bischoff – Bücher schreibender Sozialwissenschaftler, Werbetexter und Radiomacher

Michael Lucan: Wie kommt man als Bücher schreibender Sozialwissenschaftler, Werbetexter und Radiomacher zum Posten eines Chefredakteurs einer Jugendzeitschrift in der Schweiz, die der BRAVO Konkurrenz machen will?

Pop Rocky 19/1988

Pop Rocky 19/1988

Bischoff: Es war mir klar, dass die Jugendszene ein Pendant zur Erwachsenenszene braucht. Die “Bravo” war schon immer da, und das war für mich immer schon die “Bild-Zeitung” für die Jugendlichen. Den “Spiegel” der Jugendszene gab es auch schon, das war das “MUSIC-MAGAZIN”, mit seriösen Plattenkritiken, Portraits ernstzunehmender Musiker und so weiter … Also wollte ich den STERN der Jugendszene kreiern… Leicht lesbare Kost für 12 – 18jährige, für deren Information sich deren Eltern nicht schämen müssen. Nicht ganz so einfach: denn es musste natürlich eine Strecke her, eine Titelstory, bei der man auch 1 – 2 mal umblättern konnte – wie im Stern. Geholfen hat mir damals eigentlich nur Beni Spirig, der Chef-Layouter von POP/Rocky, der ausser mir auch schon mal den STERN gelesen hatte, und der war begeistert von meinem Konzept.


Aber ganz so einfach geht das doch nicht: Wie kann man denn als Jugendforscher eine Jugendzeitschrift bauen? Und dann, wie kam die eigentliche die Berufung?

Bischoff: Ganz blöd über einen Headhunter … Der hat mich abgeworben, …

Von wo denn? Sie waren doch im Auftrag eines Bundesministeriums in Lohn und Arbeit …

Pop Rocky 16/1987

Pop Rocky 16/1987

Bischoff: Nicht mehr ganz – zu dieser Zeit: Die Agentur für Wirtschaftskommunikation Benno Keysselitz hatte mich vom Deutschen Jugendinstitut abgeholt. Der war damals schon der Meinung, dass Soziologen noch was anderes drauf haben, als Berichte für den Bundestag zu schreiben.

z.B.: haben Sie ein Buch über Soziale Berufe geschrieben? War das in dieser Zeit?

Bischoff: Das war das erste einer Reihe von drei Büchern, die ich in meiner Zeit damals im Beck-Verlag veröffentlicht habe …

Mehrere waren das? Was kam denn da noch?

Bischoff: Soziale Berufe war mein Einstiegswerk, wenn Sie so wollen, dann kamen noch, meiner damaligen Einstellung zufolge einige Nachschläge: und natürlich in der Konsequenz der Einstieg in die Massenmedien, auf den Sie jetzt anspielen- oder?

Sie hatten in Ihrer Zeit als Sozialwissenschaftler beim Deutschen Jugendinstitut einige Aufträge nebenbei, wenn ich das mal so sagen darf. Da war zum einen ein Arbeitskreis ANTIPSYCHIATRIE an der LMU in München, den Sie mit 5 anderen gegründet haben, dann kam – nach Ihrem Abschluß als Dipl.Soz. die Zeit am Deutschen Jugendinstitut e.v. – immerhin das größte hochschulfreie Forschungsinstitut in Europa damals … einige Veröffentlichungen dazu: Nicht nur im Beckverlag, sondern auch im STERN, in der Jugendzeitschrift MÄDCHEN, als Chefredakteur von POP-ROCKY werden es auch nicht wenige gewesen sein.

Pop Rocky 10/1987

Pop Rocky 10/1987

Bischoff: Der Arbeitskreis Antipsychiatrie ist entstanden aus Erfahrungen, die ich vor meiner Hochschulzeit als damals sogenannter Erzieher in einem Asyl in der Schweiz gesammelt hatte. Und die Weiterentwicklung in meiner Biografie war zwangsläufig: Psychiatrie, Studium der Sozialwissenschaften, Werbung, Medien …

Medien als logisches Transportmittel für Ihre Ansichten?

Bischoff: Natürlich! Irgendwann kommt man drauf! Die Würde des Menschen ist unantastbar. Jeder ist gleich, egal welche Hautfarbe, Religion und so weiter. Wie will man das umsetzen? Natürlich über die Medien …

Wollen Sie als einer betrachtet werden, der sich für die Rechte der Benachteiligten eingesetzt hat, als einer der seinen Kindern erzählt, wie toll er die Schulreform gemeistert hat? Haben Sie eigentlich Kinder?

Bischoff: Schulreform, Erwachsenenbildung und soziale Gerechtigkeit im allgemeinen, wenn Sie so wollen, dass sind natürlich Themen, die mich ständig beschäftigen…

Pop Rocky 05/1988

Pop Rocky 05/1988


… also keine Kinder?

Bischoff: … dass kann durchaus noch werden …

So richtig am Stern ausgerichtet war Pop/Rocky aber nur im ersten Jahr Ihrer Tätigkeit

Bischoff: Da Jürg Marquard dann das Heft wieder weiterverkauft hatte an den Jean-Frey-Verlag, kam auf einmal diese Konkurrenz zur Bravo auf. Davor hatte ich schon von Anfang an gewarnt! Man kann nicht zwei Angeln in den gleichen Teich hängen. Wir wollten die aufgeklärten Jugendlichen erreichen und die Bravo hat ja immer noch aufgeklärt – die typische PPP Zeitschrift: Petting – Pop und Pickelcreme!

Dieser Text von Ende 1988 war von 2004 bis 2014 online unter http://madmuc.de/print_jugendzeitschriften.htm. Die Domain madmuc.de wird inzwischen nicht mehr genutzt.