Inhalte auf Facebook veröffentlichen: Was muss ich beachten?

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Für viele ist Facebook das digitale Wohnzimmer. So posten und sharen sie nach Herzenslust und vergessen dabei, dass Facebook auch ein öffentlicher Raum ist. Eigene und fremde Inhalte, Links und Videos, Bilder und Töne, alles vermischt sich. Worauf müssen Nutzer achten, damit sie sich keinen rechtlichen Ärger einhandeln?

Liest man die Nachrichten, bekommt man leicht den Eindruck, dass es hoch riskant ist, Facebook zu benutzen. Da flattert einem sofort eine Abmahnung ins Haus, weil andere einem Fotos auf die Pinnwand posten. Andere sorgen sich, dass Freunde peinliche Fotos veröffentlichen, ohne vorher zu fragen. Ein weiteres Problem betrifft die Frage, welche Nutzungsrechte man als Nutzer an Facebook einräumt, wenn man seine eigenen Fotos auf Facebook hochlädt.

Das sind alles hochkomplexe Fragen, auf die es oft keine klaren Antworten gibt: Niemand hat die heutigen Probleme voraussehen können, als die Gesetze dazu entstanden, Gerichtsentscheidungen stehen oft noch aus. Die einen sehen in sozialen Netzwerken ein neues Betätigungsfeld professioneller Abmahnkanzleien, die anderen warnen vor Panikmache. Unser Text behandelt im folgenden Fragen des Urheberrechts, der Nutzungsrechte und des Persönlichkeitsrechts. Denn ein bewusster Umgang mit Rechten auf Facebook kann nicht schaden. Vorangestellt sei eine grundsätzliche Überlegung, die für viele Detailfragen eine Rolle spielt.

Ist Posten auf Facebook öffentlich oder privat?

Soziale Netzwerke werden hauptsächlich dafür benutzt, Bekannte, Kollegen und Freunde auf Inhalte hinzuweisen und sich darüber auszutauschen. Nutzer laden ihre Urlaubsfotos hoch, verlinken auf ihrem Profil einen Presseartikel, drücken auf den „Teilen“-Button unter einem Musikvideo. Wann kann diese Praxis urheberrechtlich zum Problem werden?

Viele Facebook-Nutzer mögen denken: „Was habe ich mit Urheberrechtsverletzungen zu tun? Ich teile hier doch bloß mit meinen Freunden!“ Tatsächlich darf man auch urheberrechtlich geschützte Werke im privaten Rahmen in gewissem Umfang verwenden, etwa dank der Regelungen zur Privatkopie. Doch im Zweifel entscheiden Gerichte über die genauen Grenzen des privaten Rahmens.

In Anwaltskreisen kursierte in analogen Zeiten die Faustregel: Maximal 100 Personen können in glaubwürdiger Weise zum engen Familien- und Freundeskreis zählen. Allerdings halten Menschen in digitalen Zeiten – gerade wegen der sozialen Netzwerke – mit weit mehr Menschen regelmäßig Kontakt. Mehrere hundert Facebook-„Freunde“ sind keine Seltenheit. Doch eine klare Grenze, wieviel Personen zum privaten Rahmen zählen können, gibt es so oder so nicht. Nur falls Inhalte bei Facebook tatsächlich nur dem engeren Freundes- und Familienkreis zugänglich wären, würden sie im privaten Rahmen bleiben. Auch wenn man seine Einstellungen so gesetzt hat, dass nur „Freunde“ die hochgeladenen Inhalte sehen können, liegt eine private Nutzung bei mehr als hundert Kontakten sicherlich nicht mehr vor.

Gerichtsentscheidungen darüber, ob und inwieweit der private Rahmen in sozialen Netzwerken überhaupt anerkannt wird, stehen aber noch aus. Zwar mag die Beschränkung der Sichtbarkeit auf „Freunde“ vor Abmahnungen bis zu einem gewissen Grad schützen, grundsätzlich legal ist das Teilen fremder Inhalte im Facebook-Freundeskreis deshalb noch nicht. Denn auch, wenn ein Werk nach und nach geteilt wird, kann es im urheberrechtlichen Sinn öffentlich zugänglich gemacht werden.

Nutzer sollten sich auch deshalb nicht in Sicherheit wiegen, weil es gar nicht so einfach ist, auf Facebook die Kontrolle über die tatsächliche Verbreitung eines Inhalts zu behalten. Viele Nutzer geraten bei den entsprechenden Einstellungen durcheinander. Wenn zum Beispiel die Sichtbarkeit auf „Freunde von Freunden“ gestellt wird, erreicht man schnell zehntausende Personen, wenn man rechnerisch davon ausgeht, dass ein Facebook-Nutzer im Schnitt hundert „Freunde“ hat. Schon mit einem Klick können vormals auf „Freunde“ beschränkte Inhalte allen im Netz zugänglich gemacht werden. Missgeschicke passieren selbst denen, die es besser wissen müssten. So wählte die Schwester des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg offenbar die falschen Privatsphäre-Einstellungen, worauf sich eines ihrer Familienfotos tausendfach im Netz verbreitete.

Privater Rahmen offenbar unwichtig für Facebook

Unklar bleibt, inwieweit Facebook selbst zwischen öffentlichem und privatem Rahmen unterscheidet, wenn es Urheberrechtsverstößen auf Hinweis der Rechteinhaber nachgeht. Man untersage den Nutzern das Posten von Inhalten, die gegen Urheberrechte Dritter verstoßen, heißt es in Facebooks Überblick zum Thema Urheberrecht. Facebook scheint nicht davon auszugehen, dass Nutzer fremde Inhalte (Fotos, Musik, Videos) hochladen, denn in den Nutzungsbedingungen steht: „Dir gehören alle Inhalte und Informationen, die du auf Facebook postest.“ Mit dieser etwas schwammigen Formel scheint sich das Unternehmen gegen urheberrechtlichen Ärger absichern zu wollen, indem es die Verantwortung dem Nutzer zuweist.

Zugleich bekennt sich Facebook dazu, Urheber- und andere Schutzrechte von Dritten zu respektieren. „Wenn wir eine gültige Darstellung der Verletzung von Rechten an geistigem Eigentum erhalten, sperren oder entfernen wir den Zugang zu dem vermeintlich verletzenden Inhalt umgehend“, so das Unternehmen. Im Wiederholungsfall kann das Konto gesperrt werden.

Wer also darauf hofft, dass seine Postings auf Facebook im privaten Rahmen bleiben und geschützte Werke anderer ohne Erlaubnis zugänglich macht, riskiert unabhängig von der Gesetzeslage zumindest seinen Facebook-Account. Er hat auch keine großen Chancen, sich dagegen zu wehren. Wie jedes private Unternehmen kann sich Facebook seine Vertragspartner selbst aussuchen und Inhalte und Profile in gewissen Rahmen im Zweifel auch löschen.

Urheberrecht: Fremde Inhalte hochladen und posten

Nutzer sollten sich also grundsätzlich überlegen, wie sie fremde Inhalte auf Facebook zugänglich machen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte mit der eigenen Profilseite so umgehen, wie er es auch bei einer eigenen Webseite tun würde, zumindest im Umgang mit fremden Inhalten.

Nichts falsch machen Nutzer, wenn sie keine fremden Inhalte in ihr Profil hochladen, ohne die Rechteinhaber zu fragen. Besondere Vorsicht ist vor allem bei Profilbildern angeraten. Hier gab es immer wieder mal Änderungen durch Facebook, derzeit sind sie stets „öffentlich“, also für alle im Netz sichtbar. Manche Nutzer nehmen hier zum Beispiel geschützte Fotos von Stars oder Comicfiguren und gehen damit das Risiko einer Abmahnung ein, besonders dann, wenn sie in den Einstellungen erlauben, dass Suchmaschinen ihr Profil anzeigen.

Sonderfall Creative Commons: Teilen erwünscht

Anders ist es mit Inhalten unter Creative-Commons-Lizenzen. In abgestuftem Rahmen kann ein Urheber mit ihnen festlegen, dass andere die Inhalte ohne Nachfrage verwenden dürfen, solange sie sich an Bedingungen wie etwa die Namensnennung halten. Facebook macht es den Nutzern jedoch nicht unbedingt einfach, Creative-Commons-Inhalte richtig zu verwenden. Angaben in den Metadaten von Fotos etwa gehen größtenteils verloren, spezielle Markierungen für Creative-Commons-Inhalte wie auf anderen Plattformen sind nicht möglich.
Daher lässt sich nicht wirklich sicherstellen, dass beispielsweise Fotos bei der Vielzahl unterschiedlicher Darstellungsweisen auf Facebook immer so angezeigt werden, dass es der Lizenz und den Anforderungen wie der Namensnennung entspricht. Praktisch dürfte das daraus resultierende Risiko aber überschaubar sein, wenn man zum Beispiel den Urheber und die Lizenz begleitend zum Bild dazuschreibt. Alternativ lassen sich solche Angaben vor dem Hochladen direkt ins Bild einarbeiten. Generell gilt: Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten sind in den Creative-Commons-Lizenzen ausdrücklich nicht geregelt, sondern müssen vom Fotografen gegebenenfalls separat geklärt werden.

Verlinken auf fremde Inhalte

Das Verlinken auf fremde Inhalte ist in der Regel kein Problem. Urheberrechtlich ist ein Link normalerweise gar nicht relevant. Nur in einigen Ausnahmen gilt das nicht, zum Beispiel falls man Inhalte hinter Paywalls zugänglich machen würde – was Webseite-Betreiber aber meist ohnehin zu verhindern wissen. Facebook blockiert daneben auch von sich aus das Versenden und Verbreiten von Links auf bestimmte Plattformen, etwa für bekannte Torrent-Portale. Ist aber klar erkennbar, dass man auf rechtswidrige hochgeladene Inhalte verlinkt, sollte man das ohnehin nicht machen (siehe die Hinweise zum Embedding unten).

In Einzelfällen kann ein Link jedoch auch aus anderen Gründen problematisch sein. Ein Beispiel dafür wäre es, wenn man volksverhetzende – also strafbare – Inhalte zusammen mit dem Kommentar „So ist es!“ verlinken würde. Ausführliche Informationen dazu finden sich im Artikel „Wann man für fremde Inhalte haftet – und wie man es verhindern kann“.

Sonderfall Vorschaubilder

Rechtlich nicht ganz leicht einzuordnen sind die Vorschaubilder, die Facebook automatisch erstellt, wenn man einen Inhalt verlinkt. Verweist man zum Beispiel auf einen Presseartikel, erscheint eine Mini-Ausgabe des Original-Fotos neben der Überschrift und dem Vorspann des Textes. Zumindest dieses Vorschaubild ist in der Regel geschützt. Wegen solcher Mini-Bilder auf Facebook gab es auch bereits Abmahnungen.

Urheberrechtlich lassen sich die Vorschaubilder unterschiedlich bewerten. Manche Experten vergleichen sie mit der Bildersuche bei Suchmaschinen: Rechteinhaber, die sich technisch nicht dagegen wehren, dass ihre Fotos dort als Vorschaubild auftauchen, dürften auch nicht gegen Vorschaubilder bei Facebook vorgehen. Sie sollten nach dieser Ansicht also normalerweise unproblematisch sein.

Andere meinen, dass wie bei regulären Fotos jede Nutzung einzeln erlaubt werden muss, selbst wenn es nur um Vorschaubilder auf Facebook geht. Eine solche Erlaubnis könnte aber auch stillschweigend gegeben werden – zum Beispiel, wenn ein Webseiten-Betreiber einen „Gefällt-mir“-Button eingebaut hat. In diese Richtung lässt sich auch ein Urteil zu Vorschaubildern des Landgerichts Frankfurt interpretieren. Allerdings war der Fall dort sehr speziell gelagert. Website-Betreiber könnten eine solche Erlaubnis ohnehin auch nur dann geben, wenn die ursprünglichen Rechteinhaber es bereits erlaubt hätten.

Unabhängig von der rechtlichen Diskussion über Vorschaubilder empfiehlt sich dennoch eine gewisse Gelassenheit – jedenfalls dann, wenn man Facebook privat nutzt. Meldungen über drohende Abmahnwellen haben sich bis jetzt als übertrieben herausgestellt. Das Risiko, wegen Vorschaubildern eine Abmahnung zu bekommen, dürfte de facto zumindest dann gering sein, wenn Inhalte nur für „Freunde“ sichtbar sind und man eingestellt hat, dass das eigene Profil für Suchmaschinen nicht sichtbar sein soll. Wer auf Nummer sicher gehen will, schaltet die Vorschaubilder aus. Beim Teilen lässt sich dafür die Option „kein Miniaturbild“ anklicken.

Videos einbetten

Gängige Praxis ist es, fremde Videos auf dem Facebook-Profil einzubetten, so dass sie dort abspielbar sind. Das ist etwa über die Teilen-Funktion auf großen Portalen wie Youtube automatisiert möglich. Es lassen sich zwar Fälle konstruieren, in denen ein Facebook-Nutzer mithaften könnte, wenn er fremde Videos in seinem Profil einbettet, die Urheberrechte verletzen. Allerdings wären das Extremfälle. Der Europäische Gerichtshof hat hier entschieden, dass für das Einbetten urheberrechtlich dasselbe gilt, wie für das Verlinken. Einbettungen von Videos bedürfen also keiner Erlaubnis des Rechteinhabers und sind hiernach zulässig.

Videos, die Urheberrechte offensichtlich verletzen – etwa von der Kinoleinwand abgefilmte Hollywood-Blockbuster – sollte man dennoch generell nicht einbetten, auch nicht auf Facebook. Im klassischen Fall eines Musikvideos auf Portalen wie Youtube, Vimeo und anderen dürfte die Quelle aber nicht „offensichtlich rechtswidrig“ im Netz stehen – schließlich nutzt etwa Youtube ein Filtersystem und viele Rechteinhaber haben Verträge mit den Betreibern der Videoportale geschlossen. Wie beim Verlinken sollte man aber erkennbar strafbare Inhalte – etwa volksverhetzende Propaganda – auch nicht einbetten.

Haftung für Urheberrechtsverstöße Dritter

Offen bleibt die Frage, ob Facebook-Nutzer als „Störer“ mithaften, wenn Dritte auf dem eigenen Profil einen Urheberrechtsverstoß begehen. In Deutschland sorgte 2012 ein Fall für Aufsehen, bei dem eine Kanzlei die Veröffentlichung eines Gummi-Enten-Fotos abmahnte. Ein Nutzer hatte es auf die Pinnwand einer Facebook-Fanseite gepostet. Zu einer Gerichtsentscheidung in der Sache kam es aber nicht, die Streitparteien einigten sich außergerichtlich.

Private Facebook-Nutzer können hier gelassen bleiben und müssen es deshalb nicht abstellen, dass andere Inhalte auf ihre Pinnwand posten dürfen. Erst wenn Nutzer über rechtswidrige Inhalte informiert wurden und sie trotz dieser Kenntnis nicht entfernen, kann sie eine eigene Verantwortung treffen.

Eigene Inhalte: Fremde Rechte beachten

Selbst erstellte Inhalte können Nutzer in der Regel problemlos auf Facebook teilen. Allerdings gibt es einige Ausnahmen, bei denen fremde Rechte verletzt werden können oder andere Genehmigungen fehlen. Klassische Beispiele sind Handyvideos von Konzerten, Theaterbesuchen oder Bundesligaspielen. In der Regel verbieten zum einen die Veranstalter das Filmen oder zumindest die Verbreitung von Live-Mitschnitten, und haben damit das Recht auf ihrer Seite. Zum anderen haben ausübende Künstler bestimmte Schutzrechte an ihren Darbietungen. Mehr Informationen dazu bietet der Artikel „Wie gestalten Fans ihre Internetseiten legal?“ in dieser Broschüre. Schließlich sind Persönlichkeitsrechte zu beachten, wenn andere Personen in geposteten Videos oder auf Fotos zu sehen sind.

Persönlichkeitsrecht: Vorsicht bei privaten Fotos und Videos

Ärger droht dann, wenn Nutzer mit ihren eigenen Inhalten die Persönlichkeitsrechte anderer verletzen. In der Praxis relevant ist vor allem das Recht am eigenen Bild (Paragraf 22 des Kunsturhebergesetzes). Dort heißt es: „Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.“ Im Fall von Minderjährigen muss man dafür gegebenenfalls die Genehmigung der Eltern einholen.

Wer unbefugt fotografiert und dadurch einen „höchstpersönlichen Lebensbereich“ verletzt, macht sich unter Umständen sogar strafbar (Paragraf 201a des Strafgesetzbuches). Das kann zum Beispiel bei heimlichen Aufnahmen von Menschen in Wohnungen der Fall sein. Nichts zu befürchten hat derjenige, der die abgelichteten Personen um Erlaubnis fragt, bevor er ein Foto von ihnen macht und auf Facebook teilt.

Die Praxis sieht anders aus. Freunde und Bekannte überraschen sich auf Facebook regelmäßig mit Schnappschüssen voneinander. Persönlichkeitsrechte gehören wahrscheinlich zu den am häufigsten missachteten Regelungen auf Facebook. Oft ist das auch kein großes Problem, solange sich niemand durch Fotos verletzt fühlt. Ratsam ist es trotzdem, eine Sensibilität für Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte auch von Freunden zu entwickeln. Lade ich gerade ein sehr unvorteilhaftes, peinliches Foto eines anderen hoch? Sollte ich das Foto wirklich für die Öffentlichkeit freigeben, so dass jeder im Netz es sehen kann? Kann der Arbeitgeber, Lehrer oder die Familie des Betroffenen das Foto sehen, wenn ich es für „Freunde“ oder „Freunde von Freunden“ freischalte? Wie beim Urheberrecht kann auch hier der private Rahmen schneller verlassen sein, als man glaubt.

Vorher nachfragen sollte eigentlich zum guten Umgang gehören, erst recht, wenn die betroffene Person auf dem Foto namentlich markiert wird. Denn inzwischen sorgen sich viele Nutzer um ihren Datenschutz und ihre Privatsphäre im Netz – auch gegenüber dem Unternehmen Facebook. Mitzudenken ist hier zum Beispiel, dass Dienste wie Facebook über Software zur automatischen Gesichtserkennung verfügen. In Europa ist deren Einsatz zwar fürs Erste gestoppt, aber manche Menschen wollen einfach nicht, dass Facebook Daten über sie sammelt oder auswerten kann. Das sollte man respektieren.

Wie setzt man seine Rechte durch?

Rein rechtlich kann jeder verlangen, dass sein Foto aus Facebook entfernt wird, wenn es dort ohne Erlaubnis steht – es sei denn, es zeigt ihn eher zufällig als „Beiwerk“ zu einer Landschaft oder als Teilnehmer einer öffentlichen Veranstaltung, das erlaubt Paragraf 23 Kunsturhebergesetz. Es gibt noch weitere Ausnahmen wie Fotos bei „Personen der Zeitgeschichte“, aber normale Facebook-Nutzer dürften eher selten unter diese Regel fallen. Um ein Foto zu entfernen, kann man sich zunächst an den Nutzer wenden, der es hochgeladen hat, aber auch an Facebook: Der Dienst bietet neben der Funktion „Melden“ unter dem jeweiligen Foto ein Formular an, mit dem zum Beispiel Nichtmitglieder auf Inhalte hinweisen können, die Persönlichkeitsrechte verletzen (siehe die weiterführenden Hinweise). Von Nutzern gibt es unterschiedliche Berichte darüber, wie gut der Mechanismus funktioniert.

Kommt es zum Streit, droht Rechtsverletzern die Übernahme von Abmahn- und gegebenenfalls Gerichtskosten. Zugleich verstoßen solche Rechtsverletzungen auf Profilseiten gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook. Facebook behält sich vor, bei gravierenden Verstößen das ganze Profil zu löschen.

Riskant ist es auch, andere über Facebook mit Fotos, Videos und Texten zu beleidigen und zu verleumden. Dieses sogenannte Cyber-Mobbing (auch Cyber-Bullying genannt) kann Disziplinarmaßnahmen des Arbeitgebers (bis zur Kündigung), der Schule (bis zum Schulverweis) oder durch Facebook selbst (bis zur Profillöschung) nach sich ziehen. In vielen Fällen ist es auch eine Straftat (siehe dazu die Klicksafe-Übersicht zu Cyber-Mobbing: klicksafe.de/cybermobbing).

Welche Rechte gibt der Nutzer an Facebook ab?

Immer wieder hört man, dass Nutzer alle Rechte an ihren Inhalten verlieren, wenn sie diese auf Facebook posten. Das ist so pauschal nicht richtig: Bestimmte, sogenannte Urheberpersönlichkeitsrechte kann man nach deutschem Recht gar nicht übertragen. Dazu gehört zum Beispiel das Recht auf Anerkennung der eigenen Urheberschaft.

Die Frage ist allerdings, welche Verwertungsrechte man als Nutzer Facebook einräumt, wenn man ein vom Urheberrecht geschütztes Werk hochlädt – im Facebook-Jargon „IP-Inhalt“ genannt. Hier heißt es in den Nutzungsbedingungen: „Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz zur Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest“ (Stand Februar 2015).

Hier ist zunächst einmal noch nicht endgültig geklärt, inwieweit solche Klauseln in Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) überhaupt rechtlich wirksam sind. Verbraucherschützer haben die Urheberrechts-Klausel und andere Bestimmungen aus den Nutzungsbedingungen bereits vor Gericht angefochten. Das Landgericht und ebenso das Kammergericht Berlin haben die Urheberrechts-Klausel für ungültig erklärt, da sie zu unklar und zu weitgehend sei. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, eventuell wird der Bundesgerichtshof sich ebenfalls damit beschäftigen und ein höchstrichterliches Urteil dazu fällen.

Aber einmal angenommen, die Klausel wäre wirksam: Was bedeutet diese Erlaubnis nun konkret? Geld kann der Urheber danach von Facebook für die weltweite Nutzung seiner Werke nicht verlangen („gebührenfrei“). „Nicht-exklusiv“ bedeutet, dass ein Nutzer mit seinen Werken außerhalb von Facebook weiterhin weitgehend machen kann, was er will. Es handelt sich um ein sogenanntes einfaches Nutzungsrecht, das Facebook eingeräumt wird. Er dürfte seine Fotos also woanders veröffentlichen und die Nutzungsrechte anderen verkaufen.

Schwieriger ist die Frage, was aus den Worten „übertragbar“ und „unterlizenzierbar“ folgt. Theoretisch darf Facebook hierdurch Dritten erlauben, die Werke eines Mitglieds zu nutzen und selbst Lizenzen hierfür zu erteilen. Wie weit die Nutzung gehen darf, bleibt aber unklar, da die Nutzungsarten nicht konkret eingeschränkt werden.

Plattformbetreiber wollen hier meist möglichst viele Rechte vom Nutzer, um sich für alle Fälle abzusichern. Es leuchtet zum Beispiel auch ein, dass Facebook die Fotos Freunden anzeigen darf – dafür postet man sie ja schließlich. Doch dürfte Facebook beispielsweise einem anderen Unternehmen erlauben, ein Urlaubsfoto des Nutzers im Rahmen von Werbung zu nutzen? Das Kammergericht Berlin jedenfalls meinte dazu: Formulierungen wie die, dass das Unternehmen die Inhalte „auf oder in Verbindung mit Facebook“ nutzen dürfe, seien „völlig konturenlos“. Eine unentgeltliche Nutzung für alle möglichen Zwecke widerspreche zudem dem Grundsatz der angemessenen Vergütung.

Eine Frage des Vertrauens

Über die letzten Jahre hinweg hat Facebook bei seinen Urheberrechts-Klauseln bislang nur kleinere Details und einzelne Formulierungen geändert. Bis zu einer höchstrichterlichen Entscheidung bleibt Facebook-Nutzern nur die Abwägung: Kann ich mit den Nutzungsbedingungen in ihrer derzeitigen, recht vagen Form leben oder nicht? Facebook selbst versucht – wohl auch aus Sorge vor einem Proteststurm – die Angst der Nutzer vor einer ungewollten Verwendung ihrer Werke zu zerstreuen. Das Unternehmen nennt bislang recht harmlose Beispiele für Werbung mit Nutzerinhalten.

Markiert der Nutzer beispielsweise eine Werbeanzeige auf Facebook mit dem „Gefällt mir“-Button, wird diese Aktivität mitsamt seinem Profilfoto seinen Freunden angezeigt. Das Werk „Profilfoto“ erscheint also in einem Werbekontext auf Facebook. Zugleich schreibt das Unternehmen zum Thema Werbung: „Wenn ein Foto verwendet wird, handelt es sich dabei um dein Profilbild und nicht um ein Bild aus deinen Fotoalben“. Allerdings beschreibt dieser Satz nur den Ist-Zustand. Facebook könnte theoretisch die Werbenutzung auch auf die Fotoalben ausdehnen.

Es gibt trotzdem gute Gründe anzunehmen, dass Facebook vorsichtig mit den Nutzungsrechten seiner Mitglieder umgehen wird. Als sich das Foto-Netzwerk Instagram, das zu Facebook gehört, Ende 2012 neue Nutzungsbedingungen geben wollte, gab es eine Protestwelle. Die neuen Bedingungen waren so interpretierbar, dass ein Verkauf der Mitglieder-Fotos an Werbekunden durch Instagram nicht ausgeschlossen schien. Schließlich zog das Unternehmen die umstrittenen Formulierungen zurück und sprach von einem Missverständnis.

Facebook-Hoax: Widersprechen per Bild

Facebook weiß selbst, dass das Vertrauen der Nutzer elementar für das eigene Geschäftsmodell ist. Doch als börsennotiertes Unternehmen steht es stets unter Druck, Rendite zu erzielen. Bei kostenlosen sozialen Netzwerken sind der Nutzer und seine Daten selbst das Produkt, die Werbetreibenden die eigentlichen Kunden. Dass bei vielen Nutzern dieses Vertrauen zumindest angeschlagen ist, zeigen die regelmäßig auf Facebook geteilten Bekundungen, in denen Nutzer vermeintlichen Änderungen an den AGB oder neuen Nutzungen ihrer Inhalte widersprechen.

Wirkungslos: AGB-Widerspruch per Bild

Wirkungslos: AGB-Widerspruch per Bild

Solche in verschiedenen Versionen kursierenden Erklärungen als Bild oder Statusmeldung sind jedoch rechtlich wirkungslos. De facto bleibt Nutzern derzeit nur übrig, Facebook zu nutzen oder Facebook zu verlassen und die weitere Entwicklung vor Gerichten abzuwarten. Facebook macht ohnehin keine Ausnahmen, mit wem es welche Nutzungsbedingungen abschließt.

Eigene Werke im Auge behalten

Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er darauf vertraut, dass Facebook mit seinen Werken kein Schindluder treibt. Wer das befürchtet, sollte keine Werke (Fotos, Filme, Musik, Texte) auf Facebook hochladen. Wer sich für eine Veröffentlichung auf Facebook entscheidet, muss damit rechnen, dass einmal veröffentlichte Inhalte im Zweifel nicht wieder ganz zurückgeholt werden können. Werden Inhalte über die „Teilen“-Funktion verbreitet, können sie zum Beispiel auch leicht neu abgespeichert und hochgeladen werden. Solche möglichst große Verbreitung soll andererseits häufig gerade erreicht werden, so dass sich viele Urheber mehr Bekanntheit und Werbeeffekte versprechen.

Besonders bei Fotos sollte man sich aber nicht darauf verlassen, dass Metadaten mit Urheber- oder Lizenzangaben auf der Plattform erhalten bleiben. Wer will, kann sichtbare Wasserzeichen oder Namen an den Bildern anbringen. Auch ein regelmäßiger Blick auf die Nutzungsbedingungen und Privatsphäre-Einstellungen von Facebook empfiehlt sich. Das Unternehmen hat die Nutzungsbedingungen und Vorsteinstellungen zur Privatsphäre bereits häufig zum Ärger vieler Verbraucherschützer geändert.

Fazit

Facebook fühlt sich wie ein digitales Wohnzimmer an, erreicht aber schnell die Schwelle zur öffentlichen Nutzung, die rechtlich relevant ist. Bevor Inhalte auf Facebook hochgeladen werden, sollte man die folgenden Punkte kurz gegenprüfen: Greife ich in fremde Urheber- und Persönlichkeitsrechte ein, wenn ich dort eigene und fremde Inhalte verfügbar mache? Wäre ich mit einer entsprechenden Veröffentlichung einverstanden? Was sagt der Inhalt über mich aus und könnte er missverstanden werden? Und schließlich: Möchte ich Facebook meine Werke unter recht schwammigen Bedingungen überlassen?

Dieser Text ist im Rahmen der Themenreihe „Rechtsfragen im Netz“ in Zusammenarbeit mit Klicksafe entstanden. Klicksafe ist eine Initiative im Rahmen des „Safer Internet Programme“ der Europäischen Union, getragen von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen. Zuerst veröffentlicht am 15.02.2013, zuletzt aktualisiert am 12.02.2015 (Urteile zu Verlinkung, Embedding und Facebook-AGB ergänzt, neuer Abschnitt zu Facebook-Hoaxes).
Der Text wurde in der vorliegenden Fassung am 17.04.2015 von http://irights.info/artikel/inhalte-auf-facebook-veroffentlichen-was-muss-ich-beachten/11555 auf http://tv-a-z.de übernommen.

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Zum Thema im Internet:

Kommentare

Auf http://irights.info/artikel/inhalte-auf-facebook-veroffentlichen-was-muss-ich-beachten/11555 wurde der Artikel 8 mal kommentiert (Stand: 17.04.2015).