Karlheinz Böhm

Karlheinz Böhm (2008)

Karlheinz Böhm (2008)

Karlheinz Böhm (* 16. März 1928 in Darmstadt,† 29. Mai 2014 in Grödig, Österreich) war ein österreichischer Schauspieler und Gründer der Stiftung “Menschen für Menschen” (in Deutschland und der Schweiz) und des gleichnamigen Vereins in Österreich. Diese Organisation hilft unter dem Motto “Hilfe zur Selbstentwicklung “notleidenden Menschen in Äthiopien.

Karlheinz Böhm hat in 45 Filmen mitgewirkt und wurde als Schauspieler zunächst vor allem durch seine Rolle als Kaiser Franz Joseph in der Sissi-Trilogie an der Seite von Romy Schneider bekannt.

Leben

Karlheinz Böhm, einziges Kind der Sopranistin Thea Linhard und des Dirigenten Karl Böhm, war österreichischer Staatsbürger. Er erhielt außerdem 2003 die äthiopische Ehrenstaatsbürgerschaft, fühlt sich aber als Weltbürger: Sein Vater war geborener Grazer, seine Mutter Münchnerin. Er lebtein Grödig bei Salzburg. Seine Jugend verbrachte er in Darmstadt, Hamburg und Dresden. In Hamburg besuchte er die Volksschule und das Kepler-Gymnasium. Ein gefälschtes ärztliches Attest verhalf ihm 1939 zur Ausreise in die Schweiz, wo er ein Internat, das Lyceum Alpinum Zuoz, besuchte.

1946 zog er mit seinen Eltern nach Graz, dort machte er im selben Jahr die Matura. Er wollte ursprünglich Pianist werden. Beim Vorspielen hieß es seiner Biografie zufolge: “für den Sohn vom Böhm ist es ein bisschen dürftig”. Er studierte auf Drängen seines Vaters Anglistik und Germanistik, anschließend in Rom ein Semester Kunstgeschichte. Böhm brach hier sein Studium ab, um Schauspielunterricht zu nehmen.

Von 1948 bis 1976 war er als erfolgreicher Schauspieler tätig und spielte in etwa 45 Kinofilmen und auch im Theater. Er spielte neben Romy Schneider in den drei “Sissi”-Filmen den jungen Kaiser Franz Joseph. Dadurch wurde er als Schauspieler auf ein Genre festgelegt – dem er in der Folge zu entfliehen suchte. Seine internationale Karriere als Schauspieler wurde 1960 durch seine Darstellung eines Serienmörders in Michael Powells “Peeping Tom” unterbrochen, da Kritik und Publikum den Film damals wegen seines beklemmenden Inhalts ablehnten. Erst Anfang der 1980er Jahre wurde der Film neu bewertet; er gilt heute unter Cineasten als einer der besten dieses Genres.

Böhm hatte noch vorher einen Vertrag mit der Hollywood-Firma MGM abgeschlossen, doch auch diese Zusammenarbeit erwies sich für seine Filmkarriere als nicht sehr fruchtbar. Die Rollen, die man ihm dort gab, waren für ihn nicht befriedigend und die fünf Filme überwiegend keine großen Erfolge. Und so kehrte er Mitte der 1960er Jahre enttäuscht nach Europa zurück. Bemerkenswert war dagegen die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Rainer Werner Fassbinder in den 1970er Jahren. Hier glänzte er in dem Psychothriller “Martha”, der sich kritisch mit der Institution Ehe auseinandersetzte. Beeinflusst von dem gesellschaftskritischen Impetus des Regisseurs begann Karlheinz Böhm, sich immer stärker für globale Probleme zu interessieren.

Nach seiner ersten Ehe (1954–1957) mit Elisabeth Zonewa, der eine Tochter entstammt, war er mit Gudula Blau verheiratet. Aus dieser Beziehung stammen die Schauspielerin Kristina Böhm und zwei weitere Kinder. Eine Tochter aus seiner dritten Ehe mit Barbara Lass ist die Schauspielerin Katharina Böhm. Seit 1991 ist er mit der aus Äthiopien stammenden Agrarexpertin Almaz Böhm (* 1964) verheiratet, die seit 2008 geschäftsführende Vorsitzende der Stiftung Menschen für Menschen ist. Die beiden haben zusammen zwei Kinder. Karlheinz Böhms ältester Enkel Florian Böhm ist Schauspieler und Regisseur.

Karlheinz Böhm schuf zahlreiche musikalische Hörspiele für Kinder, mit denen er ihnen die Lebensgeschichten großer Komponisten und klassische Musikstücke nahebringt.

2008 erhielt das Europagymnasium Salzburg Nonntal anlässlich des 80. Geburtstages von Böhm den Namenszusatz “Karlheinz-Böhm-Gymnasium. Im Juni 2011 wurde Böhms Wirken zudem mit dem “Karl Platz”und einer Skulptur im Diplomatenviertel von Addis Abeba in Äthiopien gewürdigt. Bei der Einweihung war auch Bundespräsident a. D. Horst Köhler anwesend, der Böhm einen “stillen Revolutionär” nannte.

Am 19. Februar 2013 wurde Böhms Alzheimererkrankung bekannt. Er starb am 29. Mai 2014 im Alter von 86 Jahren in Grödig.

Hilfe für Afrika

1976 wurde Böhm zum ersten Mal mit der Armut in Afrika konfrontiert. Um einen Bronchialkatarrh auszukurieren, empfahlen ihm die Ärzte einen Aufenthalt in Kenia. Dort ließ er sich von einem einheimischen Hotel-Angestellten die Kehrseite der Luxusfassade zeigen. Es heißt, Karlheinz Böhm sah die Hütte des Hotel-Angestellten, erfuhr, dass die Einheimischen sich nur den Kopf eines Fisches leisten konnten, und war erschüttert. Er konnte sich mit der Armut nicht abfinden und beschloss, in Afrika zu helfen. Er selbst erzählte einmal, dass er sich bei einer Radl-Ausflug in den Busch unversehens in einem afrikanischen Dorf wiederfand und dort – anders als in der künstlichen Welt seines Hotels – einen ersten Eindruck von der Armut des Landes bekam.

Als er wieder nach Deutschland zurückkehrte, wurde er in die Sendung “Wetten, dass..?” eingeladen. Dort wettete er am 16. Mai 1981, nicht einmal jeder dritte Zuschauer würde eine Mark bzw. sieben Schilling oder einen Franken für notleidende Menschen in der Sahelzone spenden. Er versprach, dass er selbst nach Afrika gehen würde, um zu helfen, wenn er die Wette verliere. Er gewann, doch es kamen rund 1,7 Millionen DM zusammen. Nach der Sendung flog er dennoch im Oktober 1981 mit dem Geld erstmals nach Äthiopien und gründete am 13. November 1981 die Hilfsorganisation Menschen für Menschen.

Eine der Ursachen für die Armut in Äthiopien sieht Karlheinz Böhm in der sozialen Benachteiligung der Frauen. Er sagt, dass wir endlich begreifen müssen, dass Frauen dieselben Rechte haben wie Männer. Viele Jahre verbrachte Karlheinz Böhm mehrere Monate im Jahr in Äthiopien und besuchte die einzelnen Projekte.

Im Oktober 2007 wurde der Wagen, mit dem Böhm zwischen Dire Dawa und Harar unterwegs war, von einem anderen Auto gerammt. Karlheinz Böhm kam mit Verletzungen davon.

CC BY SA 3.0 (logo)

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel über Karlheinz Böhm (Stand: 16. März 2011, 10:48 Uhr, mit eigenen Änderungen/Ergänzungen) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text des Artikels steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.